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Huflattich

Jedes Jahr ist es auf’s Neue eine spannende Frage, wann man die ersten kleinen gelben Sonnen aus dem Boden hervorblitzen sieht. Sie kündigen den nahenden Frühling an. Der Huflattich wird auch „Filius ante patrem“ (= Der Sohn vor dem Vater) genannt, weil sich die Blüten ca. 6 Wochen vor den Blättern entwickeln.

Sein botanischer Name „Tussilago farfara“ weist schon auf seine Verwendung als Heilpflanze hin. Tussilago kommt von dem lateinischen Begriff „tussis ago“ und bedeutet soviel wie „Ich vertreibe den Husten“; „farfara“ nimmt Bezug zu der weißfilzigen Behaarung der Blätter, lat. „farina“ = Mehl.

Illustration aus: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera

Sein deutscher Name bezieht sich auf die hufeisenförmige Gestalt der Blätter. Der zweite Wortteil stammt vom lateinischen Laptica, womit verschiedene großblättrige Pflanzen bezeichnet wurden. Er gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Seine Blüte besteht aus einem ganzen Korb mit bis zu 300 sehr schmalen sonnengelben Zungenblüten und in der Mitte bis zu 40 ebenfalls gelben Röhrenblüten. Sie duften wunderbar nach Honig.

Sie sitzen auf einem 10 – 15 cm hohen schuppigen Stängel. Die Schuppen können rötlich/violett gefärbt sein. Die Blätter sind grundständig, langgestielt, hufeisenförmig, grob ausgebuchtet und am Rand fein gesägt. Sie können 10 – 30 cm breit werden. Die jungen Blätter sind komplett weißfilzig behaart. Die älteren Blätter sind zäher, fast etwas ledrig und nur noch unterseits weißfilzig behaart. Das hat ihm den Zusatznamen: „Des Wanderers Klopapier“ eingebracht.

Die Blätter können mit denen seiner nahen Verwandten, der Pestwurz, verwechselt werden. Auch sie bildet zuerst die Blüten. Diese sind aber wie eine walzenförmige Traube geformt und rosa bis hellviolett. Die Blätter sind herzförmig, ebenfalls an der Unterseite weißfilzig behaart, aber runder, nicht so scharf gesägt, wie beim Huflattich. Bei den älteren Blättern besteht dann kein Zweifel mehr, die Blätter der Pestwurz sind mit einem Durchmesser von bis zu 60 cm viel größer, als die des Huflattichs. Eine Verwechselung wäre nicht so tragisch, die Pestwurz ist nicht giftig.

Man findet den Huflattich an Wegrändern, steinigen Äckern, Schuttplätzen, Steinbrüchen. Er bevorzugt feuchte, lehmige, sandige Böden.

Inhaltsstoffe

Schleimstoffe, Inulin, Gerbstoffe, Bittertoffe, Flavonoide, Salpeter Pyrrolizidin-Alkaloide (besonders in den Blüten) Wegen der enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide wird empfohlen, den Huflattich nicht mehr als 2mal im Jahr für jeweils 3 Wochen mit einer Tagesdosis von 4,5 – 6 g getrocknete Blätter einzunehmen. Aus Sicherheitsgründen sollte der Huflattich in Schwangerschaft, Stillzeit und bei kleinen Kindern nicht verwendet werden. In der Apotheke gibt es angebaute Sorten, die keine Pyrrolizidin-Alkaloide mehr enthalten, wenn man ganz sicher gehen will.

Wirkung als „Hustenvertreiber“

Die in hohem Maße enthaltenen Schleimstoffe können sich wie ein Schutzfilmauf die Schleimhäute legen und wirken so mildernd auf den Hustenreiz und schmerzstillend. Durch die schleimver­flüssigende, auswurffördernde und keimhemmende Wirkung ist er bei verschleimter Bronchitis besonders wertvoll. Die Gerbstoffe wirken gleichzeitig festigend und stärkend auf die Schleimhäute. Die Bitterstoffe wirken kräftigend auf den ganzen Körper und regen die körpereigenen Abwehrkräfte an.

Im Mittelalter empfahl man bei hartnäckigem Husten, die getrockneten Blätter auf glühende Kohlen zu legen und den entstehenden Rauch einzuatmen. Noch lange Zeit gab es Huflattich-Zigarren in der Apotheke zu kaufen. Heute ist die gebräuchlichste Form der Anwendung ein Husten- oder Brusttee. Für einen Tee erntet man junge Blätter, etwa bis zur Größe eines Handtellers ab April bis Juni. Die Blätter sollten einzeln ausgelegt, gut durch­getrocknet und anschließend luftdicht verschlossen aufbewahrt werden, damit sie nicht schimmeln.

Verwendung in der Küche

Blütenknospen werden von Februar bis April nur sparsam geerntet. Die Blüten und Blätter bei schönem Wetter während der gesamten Vegetationsperiode. Es hat sich herausgestellt, dass Pflanzen, die in der Sonne stehen inhaltsstoffreicher sind als Schattenpflanzen. Die Wurzeln werden von September bis zum Winter geerntet. Die Knospen können Gemüsegerichten und Salaten beigemischt werden. Blüten sollten vor der Vollblüte gesammelt werden. Für einen Tee zupft man die gelben Blütenschäfte ab und trocknet sie möglichst schnell an einem schattigen aber luftigen Ort oder bei ca. 35 Grad im Backofen. Die Backofentür sollte einen Spalt breit geöffnet bleiben, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Die frischen abgezupften Blüten können über Salate, Kräuterquark, Brotaufstriche oder Desserts gestreut werden. Die Blütenstängel schmecken ähnlich wie grüner Spargel und können wie dieser Verwendet werden.

Die jungen Blätter, in feine Streifen geschnitten, sind eine außergewöhnliche Zutat in Risotto, Kartoffelpüree oder Aufläufen. Die etwas größeren Blätter können zu Blattrouladen verarbeitet werden. Die Wurzeln eignen sich kleingeschnitten und gedünstet als Zugabe zu Bratlingen oder gemischtem Wurzelgemüse.

Rezept: Huflattichtee

Man überbrüht 1-2 TL getrocknete Blätter und Blüten mit 1 Tasse kochendem Wasser, 10 Min. ziehen lassen, abgießen mit Honig süßen (außer Diabetiker). Tagesdosis 2 Tassen. Besonders bei hartnäckiger Bronchitis die erste Tasse am besten noch im Bett liegend oder gleich nach dem Aufstehen trinken. Bei trockenem Reizhusten das Kraut mit nur lauwarmem Wasser übergießen und 60 Min. ziehen lassen. Mit Honig süßen und schluckweise trinken, um die Schleimhäute gut zu schützen. 2- bis 3mal täglich 1 Tasse.

Rezept: Blattrouladen

Blätter waschen, dicke Blattrippen herausschneiden, ca. 5 Min in kochendem Salzwasser blanchieren. Als Füllung eignet sich z.B. Gemüse­reis, evtl. mit Hackfleisch ergänzt. Wer es lieber fleischlos mag, kann auch Räuchertofu-Würfelchen untermischen. Die Blätter mit der Füllung zusammen­rollen, mit einem Faden umwickeln und wie Wirsing­rouladen braten.

Verwendete Literatur

  • Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen (Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger)
  • Heilpflanzenpraxis heute (Siegfried Bäumler)
  • Medizin der Erde (Susanne Fischer-Rizzi)
  • Alles über Heilpflanzen (Ursel Bühring)
  • Praxis Heilpflanzenkunde (Ursel Bühring/Michaela Girsch)
  • Kräutersegen auf allen Wegen (Bruno Vonarburg)