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Scharbockskraut

Nur jetzt im zeitigen Frühjahr hat das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) die Chance, genügend Sonnenlicht zu bekommen, um sich wie ein grüner Teppich über den Waldboden auszubreiten. Es wächst mit Vorliebe unter Laubbäumen und sobald sich das Blätterdach der Bäume schließt, zieht sich die Pflanze in den Boden zurück. In dieser relativ kurzen Vegetationszeit hat die Pflanze “alle Hände voll” zu tun. Sie muss selber wachsen und die Blätter vermehren, es müssen die Blüten und die Brutknöllchen für die Fortpflanzung gebildet werden und vor allen Dingen müssen die Wurzelknollen, die Energiereserven der Pflanze, neu gefüllt werden, damit sie im nächsten Jahr wieder genug Kraft hat, so früh im Jahr zu sprießen.

Ranunculus ficaria, Jacob Sturm, 1796

Es ist nämlich so, dass, wenn ein Samenkorn vom Wind an eine weit entfernte Stelle geweht wird, im ersten Frühjahr die Energievorräte des Samenkorns nicht ausreichen, um eine vollständige Pflanze zu bilden. Daher kommen dann im Frühjahr nur einige Blättchen zum Vorschein, die mit Hilfe des Sonnenlichts eine Wurzelknolle mit Energie auftanken. Im darauf folgenden Jahr kann schon mit der Bildung der Blüte und Brutknöllchen begonnen werden. Die Brutknöllchen bilden sich in den Achseln der Stängelblätter und dienen der vegetativen Vermehrung des Scharbockskrautes. Ebenso werden zusätzliche Wurzelknollen gebildet und so steht der polsterförmigen Ausbreitung der Pflanze nichts mehr im Wege.

Ihren Namen verdankt die Pflanze ihrem Reichtum an Vitamin C. “Scharbock” wurde im Altertum die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut genannt. Nicht nur bei den Seefahrern war die Krankheit weit verbreitet, auch die Landbevölkerung litt nach den langen Wintermonaten ohne frisches Obst und Gemüse häufig an dieser Krankheit. Man hatte noch nicht die Möglichkeiten, Obst und Gemüse für die Winterzeit zu konservieren, wie heute. Wenn die Menschen dann die saftigen Blätter des Scharbockskrauts aßen, ging es ihnen bald besser. Aber man wusste natürlich noch nicht, dass es das Vitamin C war, das gegen die Krankheit geholfen hat.

Heute weiß man nicht nur um den hohen Vitamin-C-Gehalt der Pflanze, sondern hat auch herausgefunden, dass sie ein schwach­giftiges Alkaloid enthält, dessen Gehalt ab der Blütezeit ansteigt. Daher wird sicherheitshalber empfohlen, die Blätter der Pflanze zu sammeln, bevor sie blüht. Dann kann man die Blättchen aber unbedenklich genießen. Das Scharbockskraut gehört zu den Hahnen­fußgewächsen (Ranunculaceae). Die Blättchen sind beinahe herzförmig. Sie fühlen sich ein wenig wächsern/ledrig an und glänzen. Sie sind langgestielt, der Blattrand ist nur schwach gezähnt. Die strahlend gelbe sternförmige Blüte glänzt wie ein “Butter­blümchen”. Sie hat 8-11 Blütenkronblätter und 3 Kelchblätter. Nach der Blüte erscheinen die Brutknöllchen in Bodennähe, aus denen sich neue wurzelnde Triebe entwickeln.

Die jungen Blättchen könnten mit den Blättchen der Haselwurz verwechselt werden. Diese haben jedoch einen glatten Blattrand und sind auf der Unterseite oft bräunlich angelaufen. Beim Zerreiben riechen sie unangenehm scharf. Die Wurzel riecht ähnlich wie Ingwer. Die Haselwurz ist giftig und wird nur homöopathisch verwendet.

Die frischen grünen Scharbockskraut-Blättchen kann man einfach kleingeschnitten auf das Butterbrot streuen. Sie passen auch in Salatsaucen, Kräutermischungen oder zu diversen Gemüsegerichten. So kann man z.B. Tomate/Mozarella statt mit Basilikum mit frischen Scharbockskrautblättchen zubereiten.

Aus getrockneten Blättern kann man einen Tee bereiten, da beim Trocknen die giftigen Inhaltsstoffe abgebaut werden. Er soll innerlich gegen Hautkrankheiten helfen oder äußerlich Beschwerden bei Hämorrhoiden lindern. Auch die Brutknöllchen können in geringer Menge gegessen werden.

Rezept für ein Kräutersalz

Eine Hand voll frische Blättchen kleinschneiden, mit 1 – 2 EL Salz vermischen, in ein verschließbares Glas geben und 3 Tage im Kühl­schrank durchziehen lassen. Danach die Mischung auf ein Backblech streichen und bei geringer Hitze (max. 40 Grad) gut durchtrocknen lassen. Nun noch im Mörser fein zerstoßen und in eine Gewürzdose füllen.

Verwendete Literatur