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Corona-Krise: Sind wir selbst schuld?

Corona ist kein Killer-Virus aus dem Weltall, so viel steht schon mal fest. Das war auch die Spanische Grippe nicht, die in den Jahren 1918 bis 1920 vermutlich 50 Millionen Opfer forderte. Die Menschheit wird Corona überleben, auch das steht fest. Die Zahl der Opfer von Covid-19 allerdings noch nicht.

Die Covid-19-Pandemie sei eine Gesundheitskrise mit Ansage meint der NABU. Ihr Präsident Jörg-Andreas Krüger weist auf den Zusammenhang von mangelndem Handeln bei der Verringerung von Risiken und der der Bedeutung von Klima- und Artenschutz hin: „Seit vielen Jahren weisen Wissenschaftler und Behörden auf das Risiko von Pandemien durch Krankheitserreger, die die Tier-Mensch-Schranke durchbrechen, hin. Es ist seit langem bekannt, dass der unkontrollierte Handel von lebenden Wildtieren auf Märkten und dem Verzehr des Wildfleisches Ausgangspunkt von Pandemien sein können. Entschieden gehandelt wurde in China nicht. Eine klare Parallele sieht der NABU zum Umgang mit der Klima- und Artenkrise. Die enormen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Risiken des sich heiß laufenden Klimas und der Schädigung unserer Ökosysteme sind wissenschaftlich klar belegt und werden in Politik und Gesellschaft diskutiert. Gehandelt wird allerdings weltweit nicht entschieden genug, um die Risiken wirksam einzugrenzen. Die Leistungs- und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme und des Klimasystems zu erhöhen, ist die Aufgabe unserer Zeit. Die Klima- und Artenkrise sind wie die Corona-Pandemie Krisen mit Ansage. Politik und Gesellschaft müssen entschiedener handeln.“

Auch für Philip Bethge ist der Mensch schuld an Covid-19. und schreibt im Spiegel: “Der Ausbruch der Pandemie war kein Zufall. Artensterben, Naturzerstörung und Klimawandel erhöhen das Risiko, dass Krankheiten von Tieren auf den Menschen überspringen.”

“Es ist ein neuer Besucher auf unserem Planeten eingetroffen, ein unangenehmer Zeitgenosse, den sich niemand als Nachbarn wünscht, den wir aber auch nicht mehr vertreiben können. Deswegen ist die Kriegsrhetorik, die viele Politiker in letzter Zeit verwendet haben, unangebracht. Militärisch ist dieser Bedrohung nicht beizukommen. Wir müssen uns mit Corona arrangieren.” schreibt Bernd Mewes auf heise online.

Der Kampf gegen Corona ist nicht zu gewinnen, wir werden lernen müssen mit dem Virus zu leben. Genauso wie mit den Grippe-Viren und vielen anderen. Das ist nun mal ein Fakt, da können Populisten und Verschwörungstheoretiker verlautbaren was sie wollen. Das bedeutet aber nicht, dass wir nichts tun können. Ganz im Gegenteil. Wir können sehr viel tun: Wir können zuhause bleiben. Wir können uns und vor allem andere schützen. Wir können mithelfen die aktuelle Krise möglichst gut zu überstehen. Und wir können sowohl jetzt als auch nach Corona dafür kämpfen, dass wir mit der Natur, den Pflanzen, den Tieren, den Menschen und mit allen Ressourcen unseres Planeten sorgsamer umgehen. Wir brauchen eine Corona-Wende, also eine Klima-Wende, eine Energie-Wende, eine Artenschutz-Wende, eine Landwirtschafts-Wende, eine Verkehrs-Wende, eine Verpackungs-Wende, wahrscheinlich auch eine Finanz-Wende und sicher auch noch einiges mehr.

Wir brauchen aber auch sehr persönliche Wende-Manöver: Z.B. müssen wir uns fragen, wie viele Kreuzfahrten und Fernreisen wir uns leisten können, vielleicht sogar die Frage stellen, ob wir uns überhaupt noch derartiges leisten können. Zumindest müssen wir uns diese Fragen ernsthaft stellen. Und Antworten bzw. Regelungen finden. Übrigens: die Spanische Grippe wurde wahrscheinlich deshalb so schnell und so heftig verbreitet, weil 1918 über eine Million amerikanischer Soldaten nach Europa kamen, darunter viele infizierte. Einen “derartig regen Verkehr zwischen Neuer und Alter Welt” hatte es laut Wikipedia bis dahin noch nie gegeben.

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